Auf dem Lutherweg von Wittenberg über Piesteritz nach Coswig  NEU 

Architektur in der Reformationsstadt und der Piesteritzer Werkssiedlung, Natur auf dem Apollensberg und an der Elbe
Länge: 26,1 km | Start: RE Lutherstadt Wittenberg | Ziel: RB Coswig
Für die Wittenberger Sehenswürdigkeiten und Museen wie dem Lutherhaus, dem Melanchthonhaus und dem Asisi-Panorama »Luther 1517« reicht eigentlich allein schon ein ganzer Tag kaum aus. Heute soll es deswegen ohne viel Sightseeing direkt auf dem Lutherweg nach Coswig gehen. Gut, ein Besuch der Stadtkirche St. Marien mit dem Reformationsaltar aus der Cranachwerkstatt muss natürlich schon sein, ebenso wie ein Blick in einige kleine Hinterhöfe und die Schlosskirche mit der berühmten Thesentür und Luthers Grab. Die Aussicht vom Turm der Schlosskirche könnte bei dem schönen Wetter sicher auch reizvoll sein, also einmal Turmaufstieg, bitte! Die schmale Wendeltreppe ist nichts für beleibtere Besucher oder solche mit Platzangst, aber oben angekommen belohnt ein herrlicher Blick auf Wittenberg und die Elblandschaft. Am Ende sind dann doch fast drei Stunden vergangen, als ich das andere Ende der Altstadt erreiche.

Der Lutherweg führt am Wittenberger Elbhafen vorbei und für ein kurzes Stück an der Elbe entlang, um dann nach Piesteritz abzubiegen. Hier entstand vor über 100 Jahren eine Werkssiedlung im Stil der Neuen Sachlichkeit für 2000 Arbeiter und Angestellte des nahegelegenen Stickstoffwerks. Die hübschen Reihenhäuser mit gelben Fassaden und blauen Fensterläden boten für damalige Verhältnisse hohen Komfort wie Innentoiletten, Badewannen und Gärten zur Selbstversorgung. Nicht mehr ganz so heimelig ist der weitere Wegverlauf um das eigentliche Werk herum, das noch heute Düngemittel für die Landwirtschaft herstellt.

Schließlich geht es doch noch in die Natur. Auf Feld- und Waldwegen wandere ich hinauf zum 127 Meter hohen Apollensberg. Neben Gipfelkreuz und Rundbank gibt es auf dem kahlen Gipfelplateau auch eine schöne Sicht südwärts über die Elbe hinweg nach Wörlitz und zur Dübener Heide. Als der Lutherweg bei Griebo in den Wald einbiegt, wird es sogar noch richtig idyllisch. Der Mühlgraben teilt sich hier und fließt nun sowohl links als auch rechts des lauschigen Pfads bis zur Grieboer Untermühle, wo er in die Elbe mündet. Die Zeit rennt und so muss ich einen Schritt zulegen, um Coswig noch bei Tageslicht zu erreichen. Noch einmal streift der Weg kurz das Elbufer, bevor auch schon die ersten Häuser der Kleinstadt auftauchen. Als ich am Marktplatz ankomme, fallen gerade die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf das historische Rathaus.Weiterlesen

Alte Schlösser und neue Seen in Nordsachsen und Anhalt-Bitterfeld  NEU 

Von der Delitzscher Altstadt zur Seenlandschaft des ehemaligen Braunkohletagebaus Goitzsche
Länge: 26,3 km | Start: RE Delitzsch unt. Bhf. | Ziel: RE Bitterfeld
Delitzsch ist ein etwas verschlafenes Städtchen in Nordsachsen und touristisch scheinbar wenig berührt. Dabei gibt es doch einige Sehenswürdigkeiten wie die Postmeilensäule, die historische Altstadt samt Stadtmauer und die beiden großen, mittelalterlichen Stadttürme. An der Kirche St. Peter und Paul überrascht mich ein kräftiger Regenguss, doch zum Glück bieten mehrere Platanen mit dichtem Blätterdach eine Möglichkeit zum Unterstellen. Etwas später kommt bereits wieder die Sonne hervor, so dass ich meine kleine Altstadtrunde fortsetzen kann. Höhepunkt ist zweifellos das hübsche Barockschloss mit Zwiebelturm und einem Eingangsportal, das mit farbig gefassten Ornamenten verziert ist.

Durch den Stadtpark und die Loberaue wandere ich weiter nach Schenkenberg zu dem einstigen Rittergut und Herrenhaus, das heute von einer privaten Bildungseinrichtung genutzt wird. Wieder zurück an der Lober führen schmale Pfade und Wiesenwege in der Nähe des Bachlaufs bis nach Benndorf, wo etwas nördlich von der kleinen Feldsteinkirche der Weg zum Neuhäuser See abzweigt. Schilder entlang des Ufers warnen vor dem Betreten der Böschungen und erinnern daran, dass sich hier einmal der Braunkohletagebau Goitzsche befand. Nach Flutung der Restlöcher ist in den vergangenen Jahrzehnten eine sehr reizvolle Seen- und Naturlandschaft entstanden. Große Teile stehen nun als »Goitzsche-Wildnis« unter Naturschutz. Am Weg durch den jungen und abwechslungsreichen Wald leuchten nicht nur die orangefarbenen Beeren des Sanddorns, sondern hier und da auch rote Früchte an Apfelbäumen. An einem Baum müssen sie besonders gut schmecken, denn das Gras ist ringsum platt getreten. Im unteren Teil fehlen bereits alle Früchte, doch ich mache mich etwas länger und erreiche einen höher hängenden Apfel, der in der Tat sehr saftig und fruchtig schmeckt.

Nach einer Rast bei der Skulpturengruppe »Wächter der Goitzsche« geht es weiter zu einer kleinen Gruppe von Exmoor-Ponys und hinauf zur Zöckeritzer Höhe, wo mich ein schöner Ausblick auf den fast skandinavisch anmutenden Holzweißiger Ostsee erwartet. Der letzte See der heutigen Wanderung und zugleich auch der größte der neuen Seen in dieser Region ist der Große Goitzschesee am Rand von Bitterfeld. Ein wilder Mischmasch aus historischen Gebäuden, Plattenbauten und als Parkplatz genutzten Brachflächen prägt das Bild der Bitterfelder Altstadt. Alle Geschäfte haben schon geschlossen, entsprechend leer sind die Straßen. Nur im Kreismuseum neben der Stadtkirche ist noch etwas los, bei Saxophonklängen wird eine Ausstellungseröffnung gefeiert.Weiterlesen