Alte Schlösser und neue Seen in Nordsachsen und Anhalt-Bitterfeld  NEU 

Von der Delitzscher Altstadt zur Seenlandschaft des ehemaligen Braunkohletagebaus Goitzsche
Länge: 26,3 km | Start: RE Delitzsch unt. Bhf. | Ziel: RE Bitterfeld
Delitzsch ist ein etwas verschlafenes Städtchen in Nordsachsen und touristisch scheinbar wenig berührt. Dabei gibt es doch einige Sehenswürdigkeiten wie die Postmeilensäule, die historische Altstadt samt Stadtmauer und die beiden großen, mittelalterlichen Stadttürme. An der Kirche St. Peter und Paul überrascht mich ein kräftiger Regenguss, doch zum Glück bieten mehrere Platanen mit dichtem Blätterdach eine Möglichkeit zum Unterstellen. Etwas später kommt bereits wieder die Sonne hervor, so dass ich meine kleine Altstadtrunde fortsetzen kann. Höhepunkt ist zweifellos das hübsche Barockschloss mit Zwiebelturm und einem Eingangsportal, das mit farbig gefassten Ornamenten verziert ist.

Durch den Stadtpark und die Loberaue wandere ich weiter nach Schenkenberg zu dem einstigen Rittergut und Herrenhaus, das heute von einer privaten Bildungseinrichtung genutzt wird. Wieder zurück an der Lober führen schmale Pfade und Wiesenwege in der Nähe des Bachlaufs bis nach Benndorf, wo etwas nördlich von der kleinen Feldsteinkirche der Weg zum Neuhäuser See abzweigt. Schilder entlang des Ufers warnen vor dem Betreten der Böschungen und erinnern daran, dass sich hier einmal der Braunkohletagebau Goitzsche befand. Nach Flutung der Restlöcher ist in den vergangenen Jahrzehnten eine sehr reizvolle Seen- und Naturlandschaft entstanden. Große Teile stehen nun als »Goitzsche-Wildnis« unter Naturschutz. Am Weg durch den jungen und abwechslungsreichen Wald leuchten nicht nur die orangefarbenen Beeren des Sanddorns, sondern hier und da auch rote Früchte an Apfelbäumen. An einem Baum müssen sie besonders gut schmecken, denn das Gras ist ringsum platt getreten. Im unteren Teil fehlen bereits alle Früchte, doch ich mache mich etwas länger und erreiche einen höher hängenden Apfel, der in der Tat sehr saftig und fruchtig schmeckt.

Nach einer Rast bei der Skulpturengruppe »Wächter der Goitzsche« geht es weiter zu einer kleinen Gruppe von Exmoor-Ponys und hinauf zur Zöckeritzer Höhe, wo mich ein schöner Ausblick auf den fast skandinavisch anmutenden Holzweißiger Ostsee erwartet. Der letzte See der heutigen Wanderung und zugleich auch der größte der neuen Seen in dieser Region ist der Große Goitzschesee am Rand von Bitterfeld. Ein wilder Mischmasch aus historischen Gebäuden, Plattenbauten und als Parkplatz genutzten Brachflächen prägt das Bild der Bitterfelder Altstadt. Alle Geschäfte haben schon geschlossen, entsprechend leer sind die Straßen. Nur im Kreismuseum neben der Stadtkirche ist noch etwas los, bei Saxophonklängen wird eine Ausstellungseröffnung gefeiert.Weiterlesen

Torgau - Lutherweg, Museumspfad und LAGA 2022

Rundwanderung zum größten Teich von Sachsen, durch die Altstadt und das Gartenschaugelände
Länge: 16,6 km | Start: RE Torgau | Ziel: RE Torgau
Die Torgauer Altstadt und die Landesgartenschau müssen noch etwas warten, denn zuerst wandere ich durch Parkanlagen und ruhige Wohnsiedlungen zum größten Teich von Sachsen. Fast zwei Quadratkilometer groß ist das im Mittelalter zur Fischzucht angelegte Gewässer, das sich ganz schlicht nur Großer Teich nennt und heute in weiten Teilen unter Naturschutz steht. Südlich der NABU-Naturschutzstation Biberhof treffe ich auf den Lutherweg, dem ich für ein kurzes Stück über Loßwig zurück nach Torgau folgen werde. Langsam rücken die leuchtend weißen Türme der Stadtkirche St. Marien und von Schloss Hartenfels immer näher. Auf dem Elbdeich aber ist erst einmal Zeit für eine Pause. Ich setze mich in das frische Gras und sehe den Schwalben zu, die über mir durch die Luft gleiten und dicht über den Fluss jagen.

Weiter geht es entlang des Elbufers zum Denkmal der Begegnung am Rand der Altstadt. Eine Tafel zeigt das Foto aus den letzten Tages des Zweiten Weltkriegs, auf dem sich amerikanische und sowjetische Soldaten bei ihrer ersten Begegnung an dieser Stelle die Hand reichten. Weiter oben vor Schloss Hartenfels ist ordentlich Betrieb. Besuchergruppen kommen und gehen, und auch zwei der drei Braunbären sind in dem Bärengraben unter der Brücke zum Schlosshof recht aktiv. Das Lapidarium des Renaissanceschlosses ist Teil des Torgauer Museumspfads mit sieben Museen, in denen man sich etwas in die Welt des 16. Jahrhunderts zurückversetzen kann. Weitere Stationen sind u.a. das Bürgermeister-Ringenhain-Haus, das Priesterhaus, das Stadtmuseum und die Katharina-Luther-Stube. Luthers Frau Katharina von Bora verbrachte hier ihre letzten Tage, in St. Marien ist ihre farbig gestaltete Grabplatte zu sehen. Da ich die Museen von meinem letzten Besuch in Torgau schon kenne, verzichte ich aber heute auf einen erneuten Besuch.

Anlässlich der Gartenschau hängen an vielen Laternen in der Altstadt nicht nur farbenfroh bepflanzte Blumenampeln, auch der Marktplatz ist mit riesigen Blumenkübeln noch etwas hübscher als sonst. Auf dem kleineren Gelände am Konzertplatz gibt es neben Gärtnermarkt und Blumenhalle auch einige Themengärten z.B. zur Verwendung von bienenfreundlichen Pflanzen oder Second-Hand-Materialien wie Straßenpflaster und Eisenbahnschwellen. Im Duft- und Tastgarten darf man an den Blättern rubbeln, ich probiere Basilikum, Rosmarin, Minze und Thymian. Nur die Blüten der Schokoladenblumen wollen heute nicht nach Schokolade riechen. Der zweite und größere Teil der Gartenschau erstreckt sich entlang der ehemaligen Wallanlagen um die Altstadt. Am Rand der Rasenflächen blüht leuchtend gelb, orange und rostrot der Sonnenhut zwischen Zinnien und Gräsern. Hans das Schwarznasenschaf begrüßt mich am Eingang des begehbaren Streichelzoos. Eine Frau mit einem kleinen Kind hat am Automaten eine Futterpackung gekauft und wird sofort von fünf Ziegen bedrängt, Hans aber frisst lieber sein Gras weiter. Am Ausgang begegnen mir sogar noch Kraniche - allerdings nur in Form von meterhohen Spielgeräten auf dem Kranich-Spielplatz.Weiterlesen